Jagden und Formen (Zustand 2008)

Wolfgang Rihm nennt seine Komposition ›Jagden und Formen‹ in seiner aktuellen Fassung »Zustand 2008«. Es ist ein Stück, das mäandernd als »Werklandschaft« (Wolfgang Rihm) in unterschiedlichen Stadien, Räumen und Konstellationen auftritt. ›Jagden und Formen (Zustand 2008)‹ ist auch der treffende Titel für die choreographische Arbeit von Sasha Waltz an diesem Werk, das sie gemeinsam mit ihrer Compagnie Sasha Waltz & Guests und dem Ensemble Modern entwickelt.

Sasha Waltz & Guests und Ensemble Modern

Zwei herausragende Solistenensembles aus Musik und Tanz treffen erstmalig in Frankfurt und Berlin aufeinander. Vieles haben diese beiden »Cluster« miteinander gemeinsam: Institutionelle Unabhängigkeit und eine kompromisslose Suche nach neuen Wegen des künstlerischen Ausdrucks jenseits der Konventionen. Das konkrete musikalisch-choreographische Projekt von Ensemble Modern und Sasha Waltz & Guests gliedert sich in mehrere Phasen. Nach einer ersten Begegnung zwischen Wolfgang Rihm und Sasha Waltz folgte eine Weiterentwicklung der Partitur durch den Komponisten, auf deren Grundlage beide Ensembles in einen intensiven Dialog treten. Im Rahmen der Frankfurter Positionen stellen sie das Ergebnis dieses gemeinsamen Arbeitsprozesses vor, der auch in Zukunft weitergeführt werden soll. Die hochenergetische und komplexe Musik Wolfgang Rihms, die selbst unterschiedliche körperliche Gestalten und Aggregatzustände anzunehmen und physikalische Ur-Zustände zu beschreiben scheint, findet ihre Resonanz in der Choreographie der Tänzer und Musiker.

Zeitgenössische Konzertformen und Choreographische Oper

Innerhalb des künstlerischen Schaffens von Sasha Waltz ist ›Jagden und Formen‹ eingebettet in eine Werklandschaft, die die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen und klassischen Kompositionen kennzeichnet. Für ihre Stücke ›Körper‹ und ›noBody‹ komponierte Hans Peter Kuhn die Musik, für ›S‹, den Mittelteil der ›Trilogie des Körpers‹, konnte sie den amerikanischen Komponisten Jonathan Bepler gewinnen. 2003 schuf Rebecca Saunders, Meisterschülerin Wolfgang Rihms, die musikalische Grundlage für die choreographische Installation ›insideout‹. 2004 wurde im ›Palast der Republik‹ vor seinem Abriss, zu Musik von Hans Peter Kuhn und Iannis Xenakis ein großes »Dialoge-Projekt« durchgeführt. Eine weitere Station in der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik bildete 2006 ›Dialoge 06 - Radiale Systeme‹, die künstlerische Eröffnung des Radialsystem V mit Musik von James Tenney, Iannis Xenakis und zahlreichen Interpretationen klassischer und frühbarocker Kompositionen. Das Werk ›Jagden und Formen (Zustand 2008)‹ von Wolfgang Rihm markiert eine weitere Etappe in der Erarbeitung zeitgenössischer Konzertformen.

Im Bereich des Musiktheaters verfolgt die Choreographin das Ziel, Tänzern, Musikern und Sängern eine darstellerische Äquivalenz und kollektive Präsenz jenseits konventioneller Hierarchien der Künste und Künstler zu ermöglichen. Mit ›Dido & Aeneas‹ erschloss sie sich 2004 eine neue künstlerische Welt: die choreographische Oper. Die Forschungsreise setzte sie 2007 mit ›Medea‹ am Grand Théâtre de Luxembourg und ›Romeo et Juliette‹ an der Opera National de Paris fort.

Die Uraufführung fand im Mai 2008 im Rahmen der Frankfurter Positionen statt. Weitere Aufführungen im Radialsystem V, Berlin
Dienstag , 25.11.2008, 20:00 Uhr
Mittwoch, 26.11.2008, 20:00 Uhr
Radialsystem V, Berlin
www.radialsystem.de
www.schauspielfrankfurt.de
Ein musikalisch-choreographisches Projekt von Ensemble Modern und Sasha Waltz & Guests

Komposition
Wolfgang Rihm
Konzept
Choreographie
Sasha Waltz
Künstlerische Assistenz Projektleitung
Juan Kruz Diaz
de Garaio Esnaola
David Zambrano

Licht
Martin Hauk
Kostüm
Beate Borrmann
Dramaturgie
Yoreme Waltz
Choregraphie
Tanz
Liza Alpizar Aguilar
Jiri Bartovanec
Davide Camplani
Maria Marta Colusi
Lisa Densem
Juan Kruz Diaz
de Garaio Esnaola
Edivaldo Ernesto
Renate Graziadei
Gabriel Galindez Cruz
Mamjeang Kim
Nicola Mascia
Virgis Puodziunas
Antonio Ruz
Mata Sakka
Yael Schnell

Ensemble Modern
Dietmar Wiesner
Christine Albert
Antje Thierbach
Nina Janßen
Udo Grimm
Johannes Schwarz
Saar Berger
Thomas Baumgärtel
Valentin Garvie
Sava Stoianov
Uwe Dirksen
Valeri Pachov
Jozsef Juhasz
Wolfram Winkel
Rainer Römer
Boris Müller
Hermann Kretzschmar
Ellen Wegner
Jürgen Ruck
Jagdish Mistry
Ulrike Stortz
Ulrich Mertin
Eva Böcker
Aaron Baird

Ein Projekt im Rahmen der Frankfurter Positionen 2008. Eine Initiative der BHF-BANK-Stiftung.
Das Projekt wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes.
Sasha Waltz & Guests wird gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.