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Uraufführung 17.04.2004
Nach ihren beiden großformatigen Stücken »noBody« (2002) und »insideout« (2003) entwickelte Sasha Waltz »Impromptus« als eine intime und tänzerische, in erster Linie auf die Bewegung in den Körpern und im Raum angelegte Choreographie. Das theatrale Moment, das »insideout« wesentlich dominiert hatte, trat in den Hintergrund. In der Auseinandersetzung mit der Musik von Franz Schubert entwarf Sasha Waltz eine weitgehend abstrakte und dennoch emotional aufgeladene Atmosphäre. Sie knüpfte damit, ohne den erzählerischen Duktus ihrer frühen Stücke wieder einzuführen, in gewisser Hinsicht an eine Arbeit wie »Zweiland« (1997) an. Sasha Waltz arbeitete in den letzten Jahren fast ausschließlich mit zeitgenössischer, für ihre Choreographien original komponierter Musik. Die Komposition wurde dabei immer parallel zur Choreographie entwickelt. Der Umgang mit bereits existierender Musik veränderte den Arbeitsprozess nachhaltig. So entschied sich Sasha Waltz von vorneherein für eine formal definierte choreographische Gestaltung. Sie unternahm nicht den Versuch, Schuberts Musik, die reich an eigenen Bildern ist, zu illustrieren, sondern suchte größtmögliche Einfachheit in der Umsetzung. Auf den Bilderreichtum Franz Schuberts reagierte Sasha Waltz mit einer choreographischen Zeichnung in den Raum. Die einzelnen Musikstücke korrespondierten mit voneinander unabhängigen Tanzszenen. Drei Duette bildeten dabei das Zentrum des Abends und wurden von dynamischen raumgreifenden Gruppenszenen kontrastiert.
Die von der Musik angestoßene Emotion, die bei Schubert sublimierte, unerfüllte Sehnsucht nach Glück und Harmonie, kam in den Duetten am ausgeprägtesten zum Ausdruck, wenngleich das Thema die gesamte Choreographie durchzog. Auch das in Schuberts Werk vielfach auftauchende Motiv des Wanderns griff Sasha Waltz auf. Der zu Heimatlosigkeit und Einsamkeit verdammte Wanderer ist, als Sinnbild des schöpferischen Menschen, der sich nicht von dieser Welt fühlt, Schuberts alter ego. Fortlaufende Rhythmen, die das Gehen und Wandern kompositorisch ausdrücken, durchziehen Schuberts Instrumentalwerk ebenso wie sein Liedschaffen. Die Choreographie nahm diesen Faden auf und sponn ihn in einer subtilen Rhythmik, die durch die Tänzer hindurchlief, weiter. Franz Schubert komponierte die »Impromptus« (D.899/D.935), die zu seinen erfolgreichsten Klavierkompositionen gehören, 1827, ein Jahr vor seinem Tod in einer von Krankheit geprägten und dennoch äußerst schaffensreichen Phase, aus der auch die »Winterreise« stammt. Sie wurden von seinem Verleger zu einem Zyklus zusammengefasst und bekamen den Titel »Impromptus« (dt.: aus dem Stegreif), obgleich ihr inhaltlich-kompositorisches Niveau diese Bezeichnung keineswegs nahelegt. Beide Serien ähneln im Ablauf der Sonatensatzform und sind dennoch nicht notwendigerweise als Zyklus angelegt. Schubert ging es vielmehr darum, freie Stücke zu komponieren, die sowohl einzeln als auch zusammenhängend gespielt werden konnten. Zu Schuberts Lebzeiten wurden nur die beiden ersten Impromptus D. 899, Nr. 1–2 gedruckt.
»Keiner, der den Schmerz des Andern, und Keiner, der die Freude des Andern versteht! Man glaubt immer, zu einander zu gehen und man geht immer nur nebeneinander. O Qual für den, der dies erkennt!«
Franz Schubert in einer Tagebuchaufzeichnung

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Regie
Choreographie
Sasha Waltz
Bühne
Thomas Schenk
Sasha Waltz
Kostüme
Christine Birkle
Licht
Martin Hauk
Choreographie
Tanz
Maria Marta Colusi
Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola
Luc Dunberry
Michal Mualem
Claudia de Serpa Soares
Yael Schnell
Xuan Shi
Piano
Cristina Marton
Gesang
Ruth Sandhoff
Eine Produktion der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin präsentiert von Sasha Waltz & Guests. Eine Koproduktion mit dem Teatro Comunale di Ferrara
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