Uraufführung 19.09.2002
»d´avant« ist das Resultat einer Initiative von Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola mit dem Ziel Tanz und Musik gleichwertig in einer Aufführung zu behandeln.
»Für mich gibt es keinen Unterschied zwischen Singen und Tanzen, höchstens die Anzahl der Muskeln, die aktiv sind. Das Instrument ist der Körper. Er vibriert beim Singen und beim Tanzen«
Als sich die beiden außergewöhnlichen Tänzerpaare Sidi Larbi Cherkaoui und Damien Jalet von Les Ballets C. de la B. und Luc Dunberry und Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola von der Compagnie Sasha Waltz & Guests kennenlernten, entdeckten sie, daß alle vier eine große Begeisterung für die Vokalmusik des Mittelalters teilen und beschlossen, dies zum Ausgangspunkt einer gemeinsamen Produktion zu machen, mit vier tanzenden Sängern bzw. vier singenden Tänzern im Zentrum. Alle vier Darsteller sind auch im Gesang ausgebildet und als Regisseure bzw. Choreographen gleichberechtigt an der Entwicklung des Stückes beteiligt. Ausgehend von der Vokalmusik des Mittelalters entwirft das Quartett ein Mosaik aus Gesang und Bewegung. Auf einer Baustelle träumt sich diese »Boygroup des Mittelalters« durch die unterschiedlichen Zeiten. So erzählt »d’avant« in atmosphärischen Bildern aus heutiger Sicht »von Früher«, frei und offen für Assoziationen, ohne das Korsett einer linearen Handlung. Das Stück entstand über einen Zeitraum von einem Jahr in Brüssel, Marseille und Berlin. Besonders der dreiwöchige Aufenthalt im Juli 2002 in Marseille – einer der ältesten Städte Europas - auf Einladung des Festival de Marseille, hinterließ einen bleibenden Eindruck in der Choreographie. Die Lebensfreude der Hafenstadt am Mittelmeer, das intensive Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen, die sommerliche Hitze, der kühle Mistral, die berauschende Sinnlichkeit der Farben und nicht zuletzt die Leidenschaft für den Fußball sickerten in einzelne Szenen ein. Polyphone Gesänge des Mittelalters durchziehen das Stück dabei wie ein Leitmotiv. Dies verleiht ihm eine Keuschheit und Strenge, die als Kontrapunkt zur manchmal aufblitzenden Ornamentik arabischen Ursprungs eine seltene Mischung aus klösterlicher Askese und mediterraner Sinnlichkeit erschafft.
Regie
Choreographie
Tanz
Gesang
Sidi Larbi Cherkaoui
Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola
Luc Dunberry
Damien Jalet
Musikalische Leitung
Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola
Bühne
Thomas Schenk
Kostüme
Sylvia Hagen-Schäfer
Licht
Rudolf Heckerodt
Eine Produktion der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin präsentiert von Sasha Waltz & Guests in Koproduktion mit Les Ballets C. de la B./Gent, Festival de Marseille, Festival le Carreau/Scene Nationale de Forbach und Theatre de la Ville, Paris.